Let's Talk!
Diskussionsformat mit Künstler*innen, Expert*innen und dem Publikum


«Let’s Talk!» ist ein Diskussionsformat, das der Diversität des Theaterfestivals Rechnung trägt. In Interaktion mit den Künstler*innen, lokalen und internationalen Expert*innen und dem Publikum debattiert «Let’s Talk!» unter der Leitung der Kulturwissenschaftlerin Rahel Leupin die sozialen, politischen und ökonomischen Kontexte der gezeigten Produktionen. In vier Diskussionsrunden greift «Let’s Talk!» übergeordnete Festivalthemen auf.

Talk I_ Stille und laute Formen des Widerstands auf und abseits der Bühne
Widerstand gegen soziale Ungleichheit oder autoritäre Staaten hat viele Gesichter. Eines davon ist Artivismus –die Verbindung von Kunst und sozialer Aktion im öffentlichen Raum. Artivismus wird häufig in einem Atemzug mit den großen Revolten und Platzbesetzungen der letzten Jahre genannt. Dahinter steckt die Idee, dass Kultur Minderheiten eine Stimme gibt und somit sozialen Wandel begünstigen kann. Aber Artivismus manifestiert sich nicht nur als laute Kundgebung in der Öffentlichkeit, sondern auch als individuelle oder kollektive Auflehnung auf der Bühne oder innerhalb einer Community. Können Theater und Tanz gesellschaftlichen Wandel bewirken?

In Let’s Talk! diskutieren die brasilianische Choreographin Lia Rodrigues, die in einer der grössten Favelas von Rio de Janeiro das Centro Arte da Maré mitaufgebaut hat und der syrische Choreograph Mithkal Alzghair über ihre Erfahrungen mit Kunst als soziale Praktik und dem Körper der Künstler als Form von Widerstand. In englischer Sprache.


Talk II_ Kulturelle Teilhabe im Theater: Zukunft oder Illusion?
Forderungen nach einer inklusiveren Gesellschaft sowie mehr Diversität in bestehenden Institutionen reflektieren, dass weltweit zu viele Menschen auf Grund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens ausgegrenzt werden. Was sind Möglichkeiten von Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Inklusion in einer Welt von globaler Ungleichheit und Ausgrenzung? Kulturelle Teilhabe postuliert, dass Menschen über die Mitgestaltung von kulturellen Ereignissen sich selber und ihre Erfahrungen besser verstehen lernen. Kann Theater einen einladenden Raum schaffen, in dem sich alle Menschen selbstbestimmt auf Augenhöhe begegnen können oder reproduziert es lediglich Machstrukturen und Ungleichheiten?

In Let’s Talk! diskutieren die Regisseurinnen Kristina Norman, Marion Siéfert und Helgard Haug über Inklusion und Selbstermächtigung im Theater. In englischer Sprache.

Talk III_Von westlicher Leitkultur zu globaler Koproduktion
Die europäische Kolonialisierung sah die eigene Kultur als Höhepunkt und universellen Standard von dem andere Gesellschaften abwichen. Heute werden lokale Kenntnisse und Traditionen mehr geachtet und gefeiert. Doch betrachtet man die Kulturprogramme und Repertoires vieler Länder des Globalen Süden und Ostens, so fällt auf, dass diese in mehrheitlich nach wie vor vom westlichen Kulturkanon dominiert sind. In Zeiten von Kulturaustausch und kultureller Globalisierung stellen sich deshalb wichtige Fragen wie: Welche Kulturreferenzen und Traditionen sind bestimmend in einer diversen Gesellschaft ohne gemeinsame Geschichte? Wenn die Repräsentation einer Leitkultur nicht mehr das Hauptziel darstellt, wie könnte die Koproduktion eines neuen Kulturrepertoires aussehen?

In Let’s Talk! diskutieren der südkoreanische Regisseur Jaha Koo mit der Schweizer Choreographin mit chinesischen Wurzeln Rebecca Weingartner über kulturelle Traditionen, Aneignung und vermeintliche Authentizität im globalen Kulturaustausch. In englischer Sprache.


Talk IV_ Fakes und Fakten in Theater und Politik
Die Urform des Erzählens beruht auf der menschlichen Faszination mit dem Echten und Wahren, beglaubigt durch lebendige Menschen, die sich selbst offenbaren. Fake News und Deepfakes spielen mit dieser urmenschlichen Begeisterung. Bei jeder öffentlichen politischen Aussage schleicht sich heute die Möglichkeit eines Fakes ein. Auch das Dokumentartheater lebt davon, dass das Publikum glaubt, dass alles genauso ist, wie es aussieht. Aber wenn sich sogenannte Experten des Alltags (Laiendarsteller mit einer bestimmten Expertise) auf der Bühne selber darstellen, überblenden sich Wirkliches und Erfundenes zu unzuverlässigen Aussagen. Fakes und Fakten sind im Theater und auf der politischen Bühne noch nie so dehnbar gewesen wie heute. Aus Fakten sind Behauptungen geworden.

In Let’s Talk! diskutieren die argentinische Regisseurin Lola Arias, die eine eigene Dokumentartheatersprache entwickelt hat, und die Grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan darüber, was die Wirklichkeit gilt, wenn die Fiktion auch reicht. In deutscher und englischer Sprache.
Talk I_ Stille und laute Formen des Widerstands auf und abseits der Bühne
Do 27.8. 2020 > 13 Uhr, Festivalzentrum
In englischer Sprache

Talk II_ Kulturelle Teilhabe im Theater: Zukunft oder Illusion?
Sa 29.8. 2020 > 13 Uhr, Festivalzentrum
In englischer Sprache

Talk III_Von westlicher Leitkultur zu globaler Koproduktion
Do 3.9 2020 > 13 Uhr, Festivalzentrum
In englischer Sprache

Talk IV_ Fakes und Fakten in Theater und Politik
Sa 5.9. 2020 > 13 Uhr, Festivalzentrum
In deutscher und englischer Sprache

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